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Verzeichnis der Abonnenten des öffentlichen Telefonnetzes in Sarajevo aus dem Jahr 1911

Während der osmanischen Herrschaft in Bosnien und Herzegowina wurde 1858 die erste Telegrafenleitung zwischen Mostar und Metković eingerichtet, und zwei Jahre später zwischen Sarajevo und Konstantinopel. Unmittelbar nach der Eroberung Sarajevos in den Jahren 1878/79 formierte das österreich-Ungarische Besatzungskommando rasch Kriegs- beziehungsweise Militärposten und Telegrafenstationen mit zentralen Anlagen und Außenstellen in Bosnien und Herzegowina, sodass gemäß den staatlichen, militärischen und wirtschaftlichen Zielen eine regelmäßige Postverbindung zu allen Teilen der Monarchie hergestellt wurde. Ende 1878 wurden Telegrafenstationen mit unbeschränktem Tages- und Nachtdienst in nahezu allen größeren militärstrategischen Orten Bosniens und Herzegowinas eröffnet.

Durch den Bau von „Militär-Eisenbahnen“ mit Schmalspur in Bosnien und Herzegowina nutzt das „ Kriegskostenministerium“ der Besatzungsarmee den infrastrukturellen Korridor der Eisenbahnstrecke zweckmäßig für die Verlegung der telegrafischen Drahtverbindung und ihrer Stationsgebäude zur Unterbringung der Telegrafenstationen und des Personals. Sämtlicher Post- und Telegrafenverkehr wurde gemäß den von den Behörden der Österreich-Ungarischen Monarchie erlassenen Vorschriften abgewickelt.

Schrittweise wurde zudem der Telefonverkehr eingeführt, der anfangs vor allem von der Armee (örtliche Kommandos, Garnisonen usw.), der Staatsverwaltung und der Eisenbahndirektion genutzt wurde, um den Verkehr zu regeln. Der erste Klingelton des Telefons und das angedeutete Gespräch werden den Militäreinheiten bei der Unterdrückung des Hercegovina-Aufstands im Jahr 1882 zugeschrieben. Diese Apparate waren operativ nutzbar für die Übertragung von Gesprächen zwischen zwei getrennten Parteien. Erst 1884 wurde in Sarajevo eine manuelle Telefonzentrale mit geringerer Kapazität installiert, die etwa 30 „Abonnenten“ bediente.

Mit dem Bau des ersten Elektrizitätswerks in Sarajevo im Jahr 1895 wurden die Voraussetzungen für die Einführung eines städtischen und später auch einer zwischenstädtischen Telefonnnetzverbindung geschaffen. Die erste Telefonschnittstelle in Sarajevo wurde am 16. November 1898 für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Zu Beginn nutzten die ersten Nutzer – wie üblich – die Militärkommandos mit stationierten Garnisonen, gefolgt vom Landeshauptmannamt, dem Sitzungssaal, der Bank und anderen bedeutenden Gebäuden des öffentlichen und kulturellen Lebens in Sarajevo.

Der Anruf an den „Abonnenten“ konnte durch Drehen des Handgriffs am Telefon erfolgen, der ein Signal an die Zentrale sendete, woraufhin der diensthabende Telefonist-Operator den gewünschten Anschluss manuell abschaltete. Im Laufe des Jahres 1889 wurden schrittweise Telefonzentralen in ganz Bosnien und Herzegowina vernetzt. Erst 1913 wurde auch der internationale Telefondienst etabliert, als Bosanski Brod mit dem ungarischen Telefonnetz verbunden wurde. Sarajevo erhielt seine erste automatische Zentrale am 1. März 1936, mit 2000 Nummern.

Verzeichnis der Abonnenten des öffentlichen Telefonnetzes in Sarajevo, 1911

Verzeichnis der Abonnenten des öffentlichen Telefonnetzes in Sarajevo, 1911

Dieses seltene historische Dokument wurde zufällig im archivierten Eisenbahnverkehrsarchiv der Bosnischen und Herzegowinischen Archivalien gefunden. Nachweislich wurde im Jahr 1911 an die Direktion der bosnisch-herzegowinischen Landeseisenbahnen in Sarajevo die oben erwähnte Verzeichnisliste zur Kenntnis genommen und für die weitere Verwendung signiert. Das Dokument wurde auf gewöhnlichem Büropapier verfasst, da es wahrscheinlich aufgrund der geringen Anzahl von Abonnenten in Sarajevo nicht sinnvoll war, es zu drucken.

Das Telefonverzeichnis aus dem Jahr 1911 enthält 251 Abonnenten (im Jahr 1917 gab es in Sarajevo 483 Abonnenten). Die Abonnenten stammen überwiegend von Regierungsbehörden, staatlichen öffentlichen Unternehmen, privaten Firmen und Gesellschaften, Rechtsanwälten, Ärzten sowie wohlhabenden Bürgern aristokratischer Familien. Als Anlage zu diesem Artikel können Sie die Fotogalerie besuchen und dieses wertvolle Dokument einsehen, wobei zu beachten ist, dass es exklusiv und erstmals über unser Portal ans Licht gebracht wird.       

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